Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Schwarze Adler“

Das Bündnis Buntes Bottrop hatte am 25.03.2022 zu der Veranstaltung Schwarze Adler geladen. Die Moderatorin Hatice Kahraman führte durch den Abend.

Nach Grußworten von Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler und Jürgen Buschfeld sowie einer Videobotschaft von Patrick Owomoyela wurde zunächst der Dokumentarfilm „Schwarze Adler“ gezeigt. In dem Film berichten Schwarze Spieler*innen der deutschen Fußballnationalmannschaft über ihre persönlichen Geschichten und Erfahrungen.

Anschließend führte Hatice Kahraman durch eine Podiumsdiskussion, bei welcher neben Evans Ankomah-Kissi (Trainer der Schalke 04 Fußballschule) und Mirza Demirović (Projekt Nordstadtliga) auch die Schalker Fan-Initiative durch Melanie vertreten war.
In einer kurzen aber intensiven Gesprächsrunde sprachen die Beteiligten über den Film und waren sich einig, dass es noch einiges zu tun gibt, damit Schwarze Spieler*innen keinen Anfeindungen mehr ausgesetzt sind. Hierbei komme es auf jeden einzelnen an, sich gegen Rassismus im Stadion einzusetzen und die Leute ausfindig zu machen. Hierbei helfen auch Anlaufstellen der Vereine wie z. B. in Gelsenkirchen.

Wichtig sei darüber hinaus weitere Aufklärungsarbeit, die zum Beispiel durch die Fan-Initiativen immer wieder in die Öffentlichkeit gezogen werden muss. Gerade in dem Projekt Nordstadtliga und der Fußballschule sieht man viele Spieler mit Migrationshintergrund und unterschiedlichster Nationalitäten, die auf dem Fußballplatz alle die gleiche Sprache sprechen. Wir hoffen, dass diese Erkenntnis und die Bemühungen aller, die das Thema immer wieder sichtbar machen, irgendwann dazu führen, dass sich kein Mensch mehr Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt sehen muss.

Solche Veranstaltungen bleiben daher sehr wichtig. Vielen Dank für die Einladung an das Bündnis Buntes Bottrop.

Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Schwarze Adler“ (Ausschnitt) – YouTube

Beendigung der Zusammenarbeit mit Gazprom aus unserer Sicht alternativlos

Schalke 04 verzichtet auf den Gazprom-Schriftzug auf den Trikots. Die Schalker Fan-Initiative wurde von Vertretern der Presse um eine kurze Stellungnahme gebeten. Im Gespräch mit der Sportschau und dem DLF stellten sich Dietmar und Susanne hinter die Entscheidung des Vereins, betonten aber, dass dies nicht der einzige Schritt bleiben darf.

Die Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor war in der Vergangenheit häufig kritisiert worden, ist nun aber aus moralischen Gesichtspunkten endgültig zu beenden. Auch wenn es nicht leicht wird, muss Schalke aus unserer Sicht zukünftig auf die schmutzigen Millionen verzichten – selbst wenn dies zu Lasten des sportlichen Erfolges gehen sollte.

Vielleicht bietet die Abkehr von Gazprom ja auch die Chance, Sponsoren für Schalke zu gewinnen, die nicht in einem Atemzug mit dem russischen Konzern genannt werden wollten.

Eine erste Unterstützung des Vereins ist sicherlich durch die Fans bei dem Verkauf von Trikots mit dem Vereinsnamen an der Stelle des Gazprom-Schriftzuges zu erwarten. Noch ist es eine limitierte Auflage. Wir hoffen, dass Schalke 04 mit der Unterstützung aller das Kapitel Gazprom zügig, endgültig und möglichst glimpflich beendet.

Am meisten aber wünschen wir uns ein baldiges Ende des Krieges und sind in Gedanken bei den Menschen, die durch den Krieg unfassbares Leid erfahren.

Wer sich die Beiträge anschauen bzw. anhören möchte, kann dies derzeit unter den beiden folgenden Links tun.

https://www.deutschlandfunk.de/schalke-gazprom-ukraine-krieg-russland-100.html

https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga2/video-schalke–stellt-partnerschaft-mit-hauptsponsor-gazprom-in-frage-100.html

 

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 7

August Engler steht im Zentrum der siebten Ausgabe unseres Podcasts. David und Holger haben sich auf die Spuren eines politisch aktiven Bergmannes gegeben, der wegen einer Aktion vor dem Gelsenkirchener Arbeitsamt verhaftet wurde. Das Gespräch zeichnet seinen Weg von dort in das KZ Buchenwald, wo er auch verstarb, bis zur Bestattung in der Heimat nach. Die Recherche hat viel in Erfahrung gebracht, vor allem dank der Briefe aus Buchenwald von August Engler – und noch viele Fragen. Die Spurensuche hat, wie so viele, ein vorläufiges Ende; vielleicht lassen sich weitere Quellen finden.

Zur Vertiefung empfehlen wir die Website:

https://schwarzaufweiss.buchenwald.de/

und den Katalog zur Dauerausstellung „Gelsenkirchen im Nationalsozialismus“, der 2017 im Klartext-Verlag erschien.

Wir freuen uns sehr über alle Hörerinnen und Hörer. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden: Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music und Android.

Wer Fragen hat oder Interesse, in der AG mitzuarbeiten, sendet bitte eine Mail an
susanne@fan-ini.de

!Nie wieder – Auftaktveranstaltung auf Schalke

Gemeinsam mit dem #S04 haben wir in einer inhaltsstarken, informativen und mutmachenden Auftaktveranstaltung den „18. Erinnerungstag im deutschen Fußball“ eröffnet. Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben und besonders für die vielfältigen Inputs.

Beeindruckend zu sehen, wie wichtig es ist, die dunkle Vergangenheit aus dem Vergessen zu holen, wie viel Fortschritt in den letzten Jahren erreicht wurde, und wie viel noch zu tun ist für echte Inklusion. GEmeinsam haben wir ein starkes „!Nie wieder“-Zeichen dafür gesetzt, dass „Jeder Mensch zählt- egal auf welchem Platz !“ Realität werden kann.

Rund um den 20. und 21. Spieltag gedenkt die gesamte deutsche Fußballfamilie der Opfer des Nationalsozialismus. Wir freuen uns auf die vielfältigen Aktionen rund um den 18. Erinnerungstag.

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 6

In der sechsten Ausgabe folgen Susanne und Fabian den Spuren von Hermann Frost, Leo Marek und Emil Rattay. Drei Männer, die in der gleichen Anklageschrift der Unterstützung eines „hochverräterischen Unternehmens“ bezichtigt, 440 Tage in verschiedenen Gefängnissen festgehalten, ermordet und am gleichen Tag in Gelsenkirchen bestattet wurden. Wir möchten an sie und die vielen Anderen erinnern, die von den Nazis wegen ihrer politischen Überzeugungen und Handlungen angeklagt, gefoltert, und hingerichtet wurden.

Wir freuen uns sehr über alle Hörerinnen und Hörer. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden: Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music,Android und Deezer.

Wer Fragen hat oder Interesse, in der AG mitzuarbeiten, sendet bitte eine Mail an
susanne@fan-ini.de

#Back2Bolzen – Macht mit. Engagiert Euch. Spielt’s Fußball!

Die Schalker Fan-Initiative e.V. unterstützt die von Dietrich Schulze-Marmeling und Bernd Beyer gegründete Initiative #BoycottQatar2022 seit ihrer Entstehung. Die WM 2022 in Qatar ist ein dem Fußball unwürdiges Turnier. Es werden so viele Gebote der sportlichen und politischen Fairness verletzt, dass es uns unverantwortlich erscheint, an diesem Ereignis teilzuhaben, ob als aktiver Sportler*in, Funktionär*in oder nur als TV-Zuschauer*in.
• Massiv eingeschränkte Menschenrechte
• Unterdrückung und Bedrohung queerer Lebensformen
• Unterdrückung von Frauen
• Fehlende politische Rechte
• Unmenschliche Arbeitsbedingungen
• Rassismus, Islamismus und Antisemitismus
• Korruption bei der WM-Vergabe

Viele dieser Kritikpunkte sind nicht neu in der Geschichte der FIFA, sehr wohl aber treten sie in Qatar erschreckend geballt auf.
Daher finden wir es wichtig, dass wir Fußballfans gegen das Turnier in Qatar, gegen die Politik der FIFA und die gesamte Kommerzialisierung des Sports laut und deutlich protestieren.

#Back2Bolzen

Die Schalker Fan-Initiative e.V. trägt mit der Kampagne #Back2Bolzen zur aktiven Gestaltung des Fan-Boykotts der WM bei. Ziel der Aktion ist, dass möglichst viele Menschen, Gruppen und Vereine vor allem auch an den Spieltagen der WM 2022 (also zwischen dem 21. November und dem 18. Dezember 2022) selbst aktiv werden anstatt sich die Spiele im Fernsehen anzusehen: Indem sie selbst Fußball spielen oder Menschen, die spielen, unterstützen, mit ihnen feiern und Freude am Spiel haben. Dazu organisieren alle Interessierten an ihren Standorten Spiele oder Turniere, ob klein oder groß, ob auf der Straße, dem Bolzplatz oder in einer Halle, ob mit Wenigen oder mit ganz Vielen. Notfalls auch TippKick- oder Kicker-Turniere. Auch Trainingsspiele vor der WM, vielleicht während der Länderspiele, können Teil von #Back2Bolzen werden. Und natürlich gerne verbunden mit Informationen über die WM in Katar (siehe hierzu www.boycott-qatar.de).

Alle Veranstaltungen mögen bitte unter diesem Logo stattfinden:

Nicht die Schalker Fan-Initiative steht im Vordergrund – sondern die Kampagne. Macht mit. Engagiert Euch. Spielt’s Fußball!

Daher wird #Back2Bolzen ab dem ersten Quartal 2022 als Kampagne bei Twitter und Facebook (evtl. Instagram) ein Eigenleben entwickeln.

Zu dem IHR beitragen könnt.

Wichtig ist dabei, dass alle Aktiven als Teil dieser Kampagne sichtbar werden – unter einem Namen und mit dem Hashtag #back2bolzen!
• Alle posten die Bilder und Videos ihres Kicks, ihrer Trainings, Turniere und Veranstaltungen in den #Back2Bolzen-Kanälen.
• Meldet euch bei uns mit Fragen, Ideen und Aktionen.
• Wir stellen Druckvorlagen zur Verfügung, die für Turnierplakate, Banner, T-Shirts, und, und… genutzt werden können und sollen!
• Helft Euch und Euren Aktionen gegenseitig, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Retweetet Aktionen der Kampagne #Back2Bolzen, verteilt Likes, leitet die Threads weiter, lasst #Back2Bolzen durch die Decke gehen, helft mit, den Fußball wieder dahin zu bringen, wo er den Menschen Freude bringt. Nicht als Kommerzveranstaltung, sondern #Back2Bolzen.

Auftaktveranstaltung des „18. Erinnerungstages im deutschen Fußball“

Am Donnerstag, den 20. Januar 2022, richtet der FC Schalke 04 in Kooperation mit der Schalker Fan-Initiative e.V. die Auftaktveranstaltung des „18. Erinnerungstages im deutschen Fußball“ aus. Der Schwerpunkt der Kampagne (20. 01. – 10. 02. 2022) ist auf die Leidensgeschichte der Menschen gelegt, die aufgrund ihrer körperlichen, geistigen und psychischen Behinderungen in der Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt und gedemütigt wurden.

Motto des Erinnerungstages 2022 „Jeder Mensch zählt – egal auf welchem Platz“.

#!Niewieder #S04

https://schalke04.de/inside/nie-wieder-auftaktveranstaltung/

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 5

Auch in der fünften Folge unseres Podcasts geht es um das Thema Euthanasie. Monika und Susanne sprechen über Berta Haut, über Krankenmorde und das Geschehen in Hadamar. Wer sich mit diesem Thema tiefgehender beschäftigen möchte, dem seien diese Quellen empfohlen:

* Das Buch „Die Belasteten: ›Euthanasie‹ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte“ von Götz Aly
* Die Website www.gedenkstaette-hadamar.de

Wir freuen uns über alle Hörenden – und natürlich alle Abonnenten. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden: Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music, Android und Deezer.

Wer Fragen hat oder Interesse, in der AG mitzuarbeiten, sendet eine Mail an
susanne@fan-ini.de

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 4

Für die vierte Folge von „Laufend erinnern“ haben sich Susanne und Dietmar – beide Mitglieder der AG und der Schalker Fan-Ini – persönlich getroffen und über das Leben und Schicksal von Helene Wildaczyk gesprochen, die im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis ermordet wurde. Darüber hinaus betrachten die beiden die Geschichte der Euthanasie der Neuzeit und gehen der Frage nach, wie genau es zu den Krankenmorden in der NS-Zeit kommen konnte.

Wir freuen uns über alle Hörenden – und natürlich alle Abonnenten. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden: Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music, Android und Deezer.

Wer Fragen hat oder Interesse, in der AG mitzuarbeiten, sendet eine Mail an
susanne@fan-ini.de

Zwischen Gleichmut, Frust und Boykott – Diskussion zum Umgang mit der Fußball-WM in Katar

 

Für viele Fußball-Fans war mit der Vergabe der WM 2022 nach Katar eine weitere rote Linie
überschritten. Doch wie umgehen mit dem Ereignis? Die Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und Diskriminierung lädt mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen sowie Niedersachen alle Interessierten am Sonntag, 21.11.2021 um 19:04 Uhr herzlich zu einer Info- und Diskussionsveranstaltung ein:  Journalist und Buchautor (u.a. „Machtspieler“) Ronny Blaschke führt in die Hintergründe der damaligen Vergabe ein, erklärt, weshalb Katar diese WM unbedingt haben wollte und erläutert seine Boykott-Skepsis. Stefan Schirmer, Vorstandsmitglied von Julius-Hirsch-Preisträger FC Ente Bagdad aus Mainz, stellt die Kampagne „Boycott Qatar 2022“ und ihre Beweggründe vor. David Heil skizziert als Dritter im Bunde, wie und warum die Schalker Fan-Initiative mit „Back2Bolzen“ dazu aufrufen wird, während der WM lieber selbst vor den Ball zu treten.

Im Anschluss sind alle Teilnehmenden herzlich zu Austausch und Diskussion eingeladen!
Link zur Veranstaltung: https://t1p.de/Back2Bolzen

Auf Spurensuche durch Gelsenkirchen

Heute strahlte nicht nur die Sonne, sondern am Ende glänzten auch die Stolpersteine.

Zusammen mit Mitarbeitern des FC Schalke 04 und jungen Fans haben wir uns auf einen Rundgang durch Gelsenkirchen begeben. Wir haben Orte aufgesucht, an denen jüdische Spieler, Funktionäre und Sponsoren lebten und ihre Spuren hinterlassen haben. Dabei haben wir Gedenktafeln gereinigt und Stolpersteine geputzt. Gemeinsam gegen das Vergessen!

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 3

In der dritten Folge von „Laufend erinnern“ sprechen AG-Mitglied Fabian und Susanne von der Schalker Fan-Initiative das erste Mal intensiv über das Schicksal des verfolgten Ewald Paul Aust. Es geht um sein Leben zwischen zwei Weltkriegen in Gelsenkirchen, den Aufenthalt im KZ Buchenwald, die sogenannte ‚Asozialenverfolgung‘ der Nationalsozialisten, und um die Nachwirkungen des Todes von Aust.

Wir freuen uns über alle Hörenden – und natürlich alle Abonnenten. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden: Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music, Android und Deezer.

Wer Fragen hat oder Interesse, in der AG mitzuarbeiten, sendet eine Mail an
susanne@fan-ini.de.

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 2

 

Folge II von „Laufend erinnern“ ist nun online! Sabine vom Institut für Stadtgeschichte (ISG) tauscht sich mit Susanne (Schalker Fan-Initiative) über die Idee des Projektes und seinen Titel „Laufend erinnern“ aus, über Citizen Science, sogenannte Kriegsgräber und Erinnerung als Auftrag für die Nachkommenden.

Wir freuen uns über alle Hörenden – und natürlich alle Abonnenten. Der Podcast kann bei diesen Anbietern abonniert werden:

Apple Podcast, Google, Spotify, Amazon Music, Android und Deezer.

Wer Interesse hat, in der AG mitzuarbeiten, sendet eine Mail an susanne@fan-ini.de.

 

„Biparcours“-Kooperationsprojekt „Schalker Stolper-Tour“ gestartet!

Junge Erwachsene folgen den Spuren von Sally Meyer und Julie Lichtmann durch Schalke und Gelsenkirchen.

Junge Erwachsene (vorwiegend mit Fluchthintergrund) haben am 17. Juli ertmals mit der App „Biparcours“ eine Tour durch Gelsenkirchen gemacht und dabei dem Schicksal der NS-Opfer Sally Meyer und Julie Lichtmann nachgespürt. Dabei kam den teilnehmenden Schüler:innen vom Berufskolleg am Goldberg die Geschichte ganz nahe, denn die Tour veranschaulicht Geschichte an ganz konkreten Orten in Schalke bzw. Gelsenkirchen: Von der Glückauf-Kampfbahn bis zum Wildenbruchplatz. Die Feedbacks der Teilnehmenden haben uns ein bisschen stolz gemacht und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: „Ich sehe Gelsenkirchen jetzt mit ganz anderen Augen und weiß jetzt von Orten und ihrer Geschichte“ oder „Ich kann jetzt nachfühlen, wie es den Juden hier damals ergangen ist“, waren nur einige Stimmen. Und auf einmal ist der Blick auch geschärft: So fallen Mohammad sogar überall neue Stolpersteine auf dem Weg auf.

Den historischen Rahmen bildet das grausame Schicksal von Sally Meyer und Julie Lichtmann, die einst ein Textilkaufhaus am Schalker Markt betrieben. Käufer des Geschäfts, das die beiden im Zuge der „Arisierung“ aufgeben mussten, war der damalige Schalke-Star Fritz Szepan, der damit zum Arisierungsprofiteur wurde. Sally Meyer, seine Frau Henriette und deren Schwester Julie Lichtmann sind am Ende deportiert und von den Nazis ermordet worden. Ihre „Stolpersteine“ finden sich am Schalker Markt.

Um die digitale Spurensuche „Schalker Stolper-Tour“ zu entwickeln, haben wir uns mit dem Berufskolleg am Goldberg in Buer, der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, dem Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte und dem FC Schalke 04 zusammengetan: Schulische Lerngruppen erfahren, was Fritz Szepan und Schalke 04 mit dem Schicksal von Meyer und Lichtmann zu tun hatten – und welche Lehren die Menschen in Deutschland aus der Vergangenheit für unser heutiges Zusammenleben gezogen haben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 GG).

„Ziel war es, den Parcours sprachlich möglichst einfach zu gestalten, um auch Nicht-Muttersprachler:innen einen Zugang zu unserer Geschichte zu ermöglichen“, so Simone Hagenow vom Berufskolleg am Goldberg. Sven von der Ini ergänzt: „Hilfreich war zudem, dass die jungen Menschen oft einen Bezug zu Fußball oder Schalke 04 haben und die Stationen des Parcours zum Teil aus ihrem täglichen Erleben in Gelsenkirchen kennen.“

Über die kostenlose App „Biparcours“ (www.biparcours.de – u.a. gefördert vom NRW-Bildungsministerium) bekommen die jungen Leute an den jeweiligen Stationen die Geschichte authentisch von Menschen erzählt, die sich auskennen müssen: unter anderem von Judith Tasbach-Neuwald, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, oder Dirk Oberschulte-Beckmann, dem Stadionsprecher von Schalke 04. Angereichert durch Texte und Bilder von damals und heute sowie einigen Quiz-Fragen und Aufgaben wird Gelsenkirchener – und Schalker – Geschichte erlebbar. Und das nicht nur einmalig, denn der Biparcours kann jederzeit und dauerhaft über die App absolviert werden: In der App einfach nach „Schalker Stolper-Tour“ suchen – und los gehts.

Von der Glückauf-Kampfbahn geht es über Kuzorras Tabakladen, den Schalker Markt, die ehemaligen „Judenhäuser“ in der Von-der-Recke-Straße und ehemalige Ausstellungshalle an der Wildenbruchstraße, die damals auch als Sammellager für zu deportierende Jüdinnen und Juden fungierte, bis zurück zur Gelsenkirchener Synaoge. Ganz am Ende geht es noch mal zurück zum Fan-Laden der Schalker Fan-Initiative auf der Schalker Meile und zur Veltins-Arena in die Jetztzeit.

[foogallery id=“2368″]

Podcast „Laufend erinnern“ – Folge 1

Eine Grabplatte mit den Namen von NS-Opfern auf dem Westfriedhof in GE-Heßler. Welche Schicksale verbergen sich dahinter? Unsere AG „Laufend erinnern“, die wir in Kooperation mit dem Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte ins Leben gerufen haben, stellt in Folge 1 ihres Podcasts die ersten Geschichten dieser Menschen kurz vor.

Nach Monaten bürgerwissenschaftlicher Recherche können wir mit diesem Podcast erstmals von den Menschen und Geschichten erzählen, mit denen wir uns so intensiv beschäftigt haben. Nicht alle von jenen, deren Geschichten später noch ausführlicher in Einzelfolgen erzählt werden, haben ihre letzte Ruhe unter dieser Grabplatte gefunden. Allen ist aber gemeinsam, dass sie Opfer des NS-Regimes wurden. Sie wurden verfolgt und ermordet, weil sie politisch anders dachten, psychisch krank waren oder als arbeitsscheu/asozial galten.

Dieser Podcast und die weiteren Folgen erzählen nicht die Geschichten aller Menschen, deren Namen sich auf der Grabplatte und in ihrem Umfeld finden. Aufgrund begrenzter Ressourcen mussten wir uns zunächst auf eine Auswahl konzentrieren. Wir hoffen, auch den anderen Opfern, deren Geschichten zunächst nicht erzählt werden, später gerecht zu werden und dann aus ihrem Leben erzählen zu können. Wer daran mitwirken möchte, ist herzlich willkommen.

Folge 1 – Podcast „Laufend erinnern“ – hier abhören oder herunterladen:

Der Fußball als Instrument politischer Interessen?

Das Regionalbüro Westfalen der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte am 08. Juni 2021 zur Onlineveranstaltung „Der Fußball als Instrument politischer Interessen?“ geladen. 

Moderator Timo Düngen (REL) sprach mit Ronny Blaschke und Dr. Susanne Franke von der Schalker Fan-Ini drei Tage vor dem Start der Europameisterschaft u.a. über die Bedeutung von Menschenrechten, die Rolle von Investoren und politische Einflussnahme im Fußball.

Als inhaltliche Einführung stellte Ronny Blaschke einige Themen aus seinem Buch „Machtspieler“ vor. Blaschke behandelt hierin insbesondere die Einflussnahme internationaler Politik und Wirtschaft auf den Sport im Allgemeinen und den Fußball im Speziellen. Von Lukaschenko über Putin und Orban bis hin nach Azerbaijan zeigt Blaschke eindrücklich auf, wie sehr der Fußball von diesen Männern als Mittel zum Zweck genutzt wird. Während der Fußball für eine innenpolitische Aufwertung von Regimes sorge, entwickle er sich gleichzeitig zur neuen Form der (gerade wirtschaftsorientierten) Außenpolitik. Am Beispiel Gazprom wird deutlich, dass Politik mittlerweile auch in den VIP-Logen der Stadien gemacht wird und das Sponsoring (Schalke, Champions League) dazu dient, politische und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.

Aus Blaschkes Vortrag entstand die Frage, welche Rolle jeder einzelne Fan in diesem Konstrukt habe und warum und wie lange wir Fans dabei noch mitmachen wollen.

Dr. Susanne Franke nahm den Ball auf und verwies darauf, dass es für den einzelnen Fan schwer sei, die Entscheidungen der Verbände, die Turniere unter korrupten Bedingungen vergeben, zu kippen. Hier nahm sie Bezug auf die kommende WM in Qatar. Diese ließe sich zwar nicht mehr verhindern, aber dennoch könnten Gruppen wie #BOYCOTTQATAR2022 mit Kampagnen und Pressearbeit Öffentlichkeit und Bewusstsein für Unrecht schaffen – und vielleicht Druck ausüben, zum Beispiel bei der Kontrolle von Arbeitsrechte in Katar. Und wenn der Fan schon als Konsument gesehen wird, kann er die Macht des Konsument auch ausüben: Keiner werde gezwungen, die WM am Fernseher zu verfolgen. Hier fiel dann auch noch der Hinweis auf „Back to Bolzen“, das von allen Fans als Alternativprogramm zur WM im nächsten Jahr gemeinsam gestaltet werden soll.

Ronny Blaschke warf daraufhin ein, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass alle wir spätestens dann Teil des Zirkus sind, wenn der Ball bei den großen Turnieren rollt und Kritik sich meist nur auf die Phase vor den Turnieren beschränke, da der Fokus der Medien während einer EM/WM fast nur auf den Sport gerichtet ist. Und auch Susanne Franke bestätigte, dass Öffentlichkeit und Fans sich mit Blick auf das Geld mit Situationen und unliebigen Sponsoren arrangiere. Anfangs habe einige Aktive der Schalker Fanszene wegen Gazprom noch Magenschmerzen gehabt und geäußert, mittlerweile sei bei vielen ein Gewöhnungseffekt eingetreten (und die Vertragsverlängerung sogar von vielen begrüßt worden) – und einen Aufschrei zum Sponsoring der CL habe man nicht recht gehört.

Im Chat wurde die Frage gestellt, ob die oben geschilderte Intrumentalisierung des Sports auch im Westen vorhanden sei. Ronny Blaschke verwies darauf, dass es immer wieder Versuche gegeben habe und auch immer noch gibt, der Rahmen sei aber anders. Immer da, wo Fußball Teil der Stadtgesellschaft sei, würden sich Interessen von Fußball und Politik vermischen. Als Beispiel wurde u.a. die Sonderrolle des Fußball während der Pandemie genannt. Generell stünden im Westen aber eher wirtschaftliche Interessen (Glazer bei Manchester United) im Vordergrund, der Fußball sei mehr Spielzeug für Investoren.

Zum Abschluss wurde vom Moderator die Frage aufgeworfen, wie die Fans es zukünftig verhindern können, ein Spielball in einem System miteinander konkurrierender Interessen zu sein. Hier lautete das Fazit von Susanne, dass Fans Haltung in den Fußball tragen können, indem sie an die Vereine herantreten und ihre Macht als „Konsument“ nutzten. Als Fan könne man von den Vereinen Konsequenz, Transparenz und Nachhaltigkeit in der Lieferkette fordern z.B. beim Essen und Trinken oder Trikots aus biologischem und fairem Handel Nachhaltigkeit von den Vereinen einfordern. Gerade weil die Vereine mittlerweile Unternehmen seien, könnten sie sich professional und nachhaltig geführte Unternehmen als Vorbild nehmen. Ronny Blaschke ergänzte, dass Klubs wirtschaftlichen Erfolg in einem schwierigen Umfeld auch durch soziales Engagement erreichen könnten, indem sie so für neue Sponsoren interessant würden – dass viele soziale Projekte allerdings in finanzschwachen Zeiten gekürzt werden.

Mit einem persönlichen Ausblick auf die EM endete dieser überaus informative Abend. Während sich Ronny Blaschke auf die EM und das Grillen mit Freunden freut, kann Susanne Franke den Nationalteams nicht sehr viel abgewinnen. Sie könne die EM also nicht lieben wie die Bundesliga oder den Pokal, aber auf das Zusammensein mit Freunden während des Turniers freue sie sich schon.