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Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Schwarze Adler“

Das Bündnis Buntes Bottrop hatte am 25.03.2022 zu der Veranstaltung Schwarze Adler geladen. Die Moderatorin Hatice Kahraman führte durch den Abend.

Nach Grußworten von Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler und Jürgen Buschfeld sowie einer Videobotschaft von Patrick Owomoyela wurde zunächst der Dokumentarfilm „Schwarze Adler“ gezeigt. In dem Film berichten Schwarze Spieler*innen der deutschen Fußballnationalmannschaft über ihre persönlichen Geschichten und Erfahrungen.

Anschließend führte Hatice Kahraman durch eine Podiumsdiskussion, bei welcher neben Evans Ankomah-Kissi (Trainer der Schalke 04 Fußballschule) und Mirza Demirović (Projekt Nordstadtliga) auch die Schalker Fan-Initiative durch Melanie vertreten war.
In einer kurzen aber intensiven Gesprächsrunde sprachen die Beteiligten über den Film und waren sich einig, dass es noch einiges zu tun gibt, damit Schwarze Spieler*innen keinen Anfeindungen mehr ausgesetzt sind. Hierbei komme es auf jeden einzelnen an, sich gegen Rassismus im Stadion einzusetzen und die Leute ausfindig zu machen. Hierbei helfen auch Anlaufstellen der Vereine wie z. B. in Gelsenkirchen.

Wichtig sei darüber hinaus weitere Aufklärungsarbeit, die zum Beispiel durch die Fan-Initiativen immer wieder in die Öffentlichkeit gezogen werden muss. Gerade in dem Projekt Nordstadtliga und der Fußballschule sieht man viele Spieler mit Migrationshintergrund und unterschiedlichster Nationalitäten, die auf dem Fußballplatz alle die gleiche Sprache sprechen. Wir hoffen, dass diese Erkenntnis und die Bemühungen aller, die das Thema immer wieder sichtbar machen, irgendwann dazu führen, dass sich kein Mensch mehr Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt sehen muss.

Solche Veranstaltungen bleiben daher sehr wichtig. Vielen Dank für die Einladung an das Bündnis Buntes Bottrop.

Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung „Schwarze Adler“ (Ausschnitt) – YouTube

Beendigung der Zusammenarbeit mit Gazprom aus unserer Sicht alternativlos

Schalke 04 verzichtet auf den Gazprom-Schriftzug auf den Trikots. Die Schalker Fan-Initiative wurde von Vertretern der Presse um eine kurze Stellungnahme gebeten. Im Gespräch mit der Sportschau und dem DLF stellten sich Dietmar und Susanne hinter die Entscheidung des Vereins, betonten aber, dass dies nicht der einzige Schritt bleiben darf.

Die Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor war in der Vergangenheit häufig kritisiert worden, ist nun aber aus moralischen Gesichtspunkten endgültig zu beenden. Auch wenn es nicht leicht wird, muss Schalke aus unserer Sicht zukünftig auf die schmutzigen Millionen verzichten – selbst wenn dies zu Lasten des sportlichen Erfolges gehen sollte.

Vielleicht bietet die Abkehr von Gazprom ja auch die Chance, Sponsoren für Schalke zu gewinnen, die nicht in einem Atemzug mit dem russischen Konzern genannt werden wollten.

Eine erste Unterstützung des Vereins ist sicherlich durch die Fans bei dem Verkauf von Trikots mit dem Vereinsnamen an der Stelle des Gazprom-Schriftzuges zu erwarten. Noch ist es eine limitierte Auflage. Wir hoffen, dass Schalke 04 mit der Unterstützung aller das Kapitel Gazprom zügig, endgültig und möglichst glimpflich beendet.

Am meisten aber wünschen wir uns ein baldiges Ende des Krieges und sind in Gedanken bei den Menschen, die durch den Krieg unfassbares Leid erfahren.

Wer sich die Beiträge anschauen bzw. anhören möchte, kann dies derzeit unter den beiden folgenden Links tun.

https://www.deutschlandfunk.de/schalke-gazprom-ukraine-krieg-russland-100.html

https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga2/video-schalke–stellt-partnerschaft-mit-hauptsponsor-gazprom-in-frage-100.html

 

!Nie wieder – Auftaktveranstaltung auf Schalke

Gemeinsam mit dem #S04 haben wir in einer inhaltsstarken, informativen und mutmachenden Auftaktveranstaltung den „18. Erinnerungstag im deutschen Fußball“ eröffnet. Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben und besonders für die vielfältigen Inputs.

Beeindruckend zu sehen, wie wichtig es ist, die dunkle Vergangenheit aus dem Vergessen zu holen, wie viel Fortschritt in den letzten Jahren erreicht wurde, und wie viel noch zu tun ist für echte Inklusion. GEmeinsam haben wir ein starkes „!Nie wieder“-Zeichen dafür gesetzt, dass „Jeder Mensch zählt- egal auf welchem Platz !“ Realität werden kann.

Rund um den 20. und 21. Spieltag gedenkt die gesamte deutsche Fußballfamilie der Opfer des Nationalsozialismus. Wir freuen uns auf die vielfältigen Aktionen rund um den 18. Erinnerungstag.

#Back2Bolzen – Macht mit. Engagiert Euch. Spielt’s Fußball!

Die Schalker Fan-Initiative e.V. unterstützt die von Dietrich Schulze-Marmeling und Bernd Beyer gegründete Initiative #BoycottQatar2022 seit ihrer Entstehung. Die WM 2022 in Qatar ist ein dem Fußball unwürdiges Turnier. Es werden so viele Gebote der sportlichen und politischen Fairness verletzt, dass es uns unverantwortlich erscheint, an diesem Ereignis teilzuhaben, ob als aktiver Sportler*in, Funktionär*in oder nur als TV-Zuschauer*in.
• Massiv eingeschränkte Menschenrechte
• Unterdrückung und Bedrohung queerer Lebensformen
• Unterdrückung von Frauen
• Fehlende politische Rechte
• Unmenschliche Arbeitsbedingungen
• Rassismus, Islamismus und Antisemitismus
• Korruption bei der WM-Vergabe

Viele dieser Kritikpunkte sind nicht neu in der Geschichte der FIFA, sehr wohl aber treten sie in Qatar erschreckend geballt auf.
Daher finden wir es wichtig, dass wir Fußballfans gegen das Turnier in Qatar, gegen die Politik der FIFA und die gesamte Kommerzialisierung des Sports laut und deutlich protestieren.

#Back2Bolzen

Die Schalker Fan-Initiative e.V. trägt mit der Kampagne #Back2Bolzen zur aktiven Gestaltung des Fan-Boykotts der WM bei. Ziel der Aktion ist, dass möglichst viele Menschen, Gruppen und Vereine vor allem auch an den Spieltagen der WM 2022 (also zwischen dem 21. November und dem 18. Dezember 2022) selbst aktiv werden anstatt sich die Spiele im Fernsehen anzusehen: Indem sie selbst Fußball spielen oder Menschen, die spielen, unterstützen, mit ihnen feiern und Freude am Spiel haben. Dazu organisieren alle Interessierten an ihren Standorten Spiele oder Turniere, ob klein oder groß, ob auf der Straße, dem Bolzplatz oder in einer Halle, ob mit Wenigen oder mit ganz Vielen. Notfalls auch TippKick- oder Kicker-Turniere. Auch Trainingsspiele vor der WM, vielleicht während der Länderspiele, können Teil von #Back2Bolzen werden. Und natürlich gerne verbunden mit Informationen über die WM in Katar (siehe hierzu www.boycott-qatar.de).

Alle Veranstaltungen mögen bitte unter diesem Logo stattfinden:

Nicht die Schalker Fan-Initiative steht im Vordergrund – sondern die Kampagne. Macht mit. Engagiert Euch. Spielt’s Fußball!

Daher wird #Back2Bolzen ab dem ersten Quartal 2022 als Kampagne bei Twitter und Facebook (evtl. Instagram) ein Eigenleben entwickeln.

Zu dem IHR beitragen könnt.

Wichtig ist dabei, dass alle Aktiven als Teil dieser Kampagne sichtbar werden – unter einem Namen und mit dem Hashtag #back2bolzen!
• Alle posten die Bilder und Videos ihres Kicks, ihrer Trainings, Turniere und Veranstaltungen in den #Back2Bolzen-Kanälen.
• Meldet euch bei uns mit Fragen, Ideen und Aktionen.
• Wir stellen Druckvorlagen zur Verfügung, die für Turnierplakate, Banner, T-Shirts, und, und… genutzt werden können und sollen!
• Helft Euch und Euren Aktionen gegenseitig, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Retweetet Aktionen der Kampagne #Back2Bolzen, verteilt Likes, leitet die Threads weiter, lasst #Back2Bolzen durch die Decke gehen, helft mit, den Fußball wieder dahin zu bringen, wo er den Menschen Freude bringt. Nicht als Kommerzveranstaltung, sondern #Back2Bolzen.

Auftaktveranstaltung des „18. Erinnerungstages im deutschen Fußball“

Am Donnerstag, den 20. Januar 2022, richtet der FC Schalke 04 in Kooperation mit der Schalker Fan-Initiative e.V. die Auftaktveranstaltung des „18. Erinnerungstages im deutschen Fußball“ aus. Der Schwerpunkt der Kampagne (20. 01. – 10. 02. 2022) ist auf die Leidensgeschichte der Menschen gelegt, die aufgrund ihrer körperlichen, geistigen und psychischen Behinderungen in der Zeit des Nationalsozialismus ausgegrenzt und gedemütigt wurden.

Motto des Erinnerungstages 2022 „Jeder Mensch zählt – egal auf welchem Platz“.

#!Niewieder #S04

https://schalke04.de/inside/nie-wieder-auftaktveranstaltung/

Zwischen Gleichmut, Frust und Boykott – Diskussion zum Umgang mit der Fußball-WM in Katar

 

Für viele Fußball-Fans war mit der Vergabe der WM 2022 nach Katar eine weitere rote Linie
überschritten. Doch wie umgehen mit dem Ereignis? Die Schalker Fan-Initiative gegen Rassismus und Diskriminierung lädt mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen sowie Niedersachen alle Interessierten am Sonntag, 21.11.2021 um 19:04 Uhr herzlich zu einer Info- und Diskussionsveranstaltung ein:  Journalist und Buchautor (u.a. „Machtspieler“) Ronny Blaschke führt in die Hintergründe der damaligen Vergabe ein, erklärt, weshalb Katar diese WM unbedingt haben wollte und erläutert seine Boykott-Skepsis. Stefan Schirmer, Vorstandsmitglied von Julius-Hirsch-Preisträger FC Ente Bagdad aus Mainz, stellt die Kampagne „Boycott Qatar 2022“ und ihre Beweggründe vor. David Heil skizziert als Dritter im Bunde, wie und warum die Schalker Fan-Initiative mit „Back2Bolzen“ dazu aufrufen wird, während der WM lieber selbst vor den Ball zu treten.

Im Anschluss sind alle Teilnehmenden herzlich zu Austausch und Diskussion eingeladen!
Link zur Veranstaltung: https://t1p.de/Back2Bolzen

Auf Spurensuche durch Gelsenkirchen

Heute strahlte nicht nur die Sonne, sondern am Ende glänzten auch die Stolpersteine.

Zusammen mit Mitarbeitern des FC Schalke 04 und jungen Fans haben wir uns auf einen Rundgang durch Gelsenkirchen begeben. Wir haben Orte aufgesucht, an denen jüdische Spieler, Funktionäre und Sponsoren lebten und ihre Spuren hinterlassen haben. Dabei haben wir Gedenktafeln gereinigt und Stolpersteine geputzt. Gemeinsam gegen das Vergessen!

„Biparcours“-Kooperationsprojekt „Schalker Stolper-Tour“ gestartet!

Junge Erwachsene folgen den Spuren von Sally Meyer und Julie Lichtmann durch Schalke und Gelsenkirchen.

Junge Erwachsene (vorwiegend mit Fluchthintergrund) haben am 17. Juli ertmals mit der App „Biparcours“ eine Tour durch Gelsenkirchen gemacht und dabei dem Schicksal der NS-Opfer Sally Meyer und Julie Lichtmann nachgespürt. Dabei kam den teilnehmenden Schüler:innen vom Berufskolleg am Goldberg die Geschichte ganz nahe, denn die Tour veranschaulicht Geschichte an ganz konkreten Orten in Schalke bzw. Gelsenkirchen: Von der Glückauf-Kampfbahn bis zum Wildenbruchplatz. Die Feedbacks der Teilnehmenden haben uns ein bisschen stolz gemacht und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: „Ich sehe Gelsenkirchen jetzt mit ganz anderen Augen und weiß jetzt von Orten und ihrer Geschichte“ oder „Ich kann jetzt nachfühlen, wie es den Juden hier damals ergangen ist“, waren nur einige Stimmen. Und auf einmal ist der Blick auch geschärft: So fallen Mohammad sogar überall neue Stolpersteine auf dem Weg auf.

Den historischen Rahmen bildet das grausame Schicksal von Sally Meyer und Julie Lichtmann, die einst ein Textilkaufhaus am Schalker Markt betrieben. Käufer des Geschäfts, das die beiden im Zuge der „Arisierung“ aufgeben mussten, war der damalige Schalke-Star Fritz Szepan, der damit zum Arisierungsprofiteur wurde. Sally Meyer, seine Frau Henriette und deren Schwester Julie Lichtmann sind am Ende deportiert und von den Nazis ermordet worden. Ihre „Stolpersteine“ finden sich am Schalker Markt.

Um die digitale Spurensuche „Schalker Stolper-Tour“ zu entwickeln, haben wir uns mit dem Berufskolleg am Goldberg in Buer, der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, dem Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte und dem FC Schalke 04 zusammengetan: Schulische Lerngruppen erfahren, was Fritz Szepan und Schalke 04 mit dem Schicksal von Meyer und Lichtmann zu tun hatten – und welche Lehren die Menschen in Deutschland aus der Vergangenheit für unser heutiges Zusammenleben gezogen haben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 GG).

„Ziel war es, den Parcours sprachlich möglichst einfach zu gestalten, um auch Nicht-Muttersprachler:innen einen Zugang zu unserer Geschichte zu ermöglichen“, so Simone Hagenow vom Berufskolleg am Goldberg. Sven von der Ini ergänzt: „Hilfreich war zudem, dass die jungen Menschen oft einen Bezug zu Fußball oder Schalke 04 haben und die Stationen des Parcours zum Teil aus ihrem täglichen Erleben in Gelsenkirchen kennen.“

Über die kostenlose App „Biparcours“ (www.biparcours.de – u.a. gefördert vom NRW-Bildungsministerium) bekommen die jungen Leute an den jeweiligen Stationen die Geschichte authentisch von Menschen erzählt, die sich auskennen müssen: unter anderem von Judith Tasbach-Neuwald, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, oder Dirk Oberschulte-Beckmann, dem Stadionsprecher von Schalke 04. Angereichert durch Texte und Bilder von damals und heute sowie einigen Quiz-Fragen und Aufgaben wird Gelsenkirchener – und Schalker – Geschichte erlebbar. Und das nicht nur einmalig, denn der Biparcours kann jederzeit und dauerhaft über die App absolviert werden: In der App einfach nach „Schalker Stolper-Tour“ suchen – und los gehts.

Von der Glückauf-Kampfbahn geht es über Kuzorras Tabakladen, den Schalker Markt, die ehemaligen „Judenhäuser“ in der Von-der-Recke-Straße und ehemalige Ausstellungshalle an der Wildenbruchstraße, die damals auch als Sammellager für zu deportierende Jüdinnen und Juden fungierte, bis zurück zur Gelsenkirchener Synaoge. Ganz am Ende geht es noch mal zurück zum Fan-Laden der Schalker Fan-Initiative auf der Schalker Meile und zur Veltins-Arena in die Jetztzeit.

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Der Fußball als Instrument politischer Interessen?

Das Regionalbüro Westfalen der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte am 08. Juni 2021 zur Onlineveranstaltung „Der Fußball als Instrument politischer Interessen?“ geladen. 

Moderator Timo Düngen (REL) sprach mit Ronny Blaschke und Dr. Susanne Franke von der Schalker Fan-Ini drei Tage vor dem Start der Europameisterschaft u.a. über die Bedeutung von Menschenrechten, die Rolle von Investoren und politische Einflussnahme im Fußball.

Als inhaltliche Einführung stellte Ronny Blaschke einige Themen aus seinem Buch „Machtspieler“ vor. Blaschke behandelt hierin insbesondere die Einflussnahme internationaler Politik und Wirtschaft auf den Sport im Allgemeinen und den Fußball im Speziellen. Von Lukaschenko über Putin und Orban bis hin nach Azerbaijan zeigt Blaschke eindrücklich auf, wie sehr der Fußball von diesen Männern als Mittel zum Zweck genutzt wird. Während der Fußball für eine innenpolitische Aufwertung von Regimes sorge, entwickle er sich gleichzeitig zur neuen Form der (gerade wirtschaftsorientierten) Außenpolitik. Am Beispiel Gazprom wird deutlich, dass Politik mittlerweile auch in den VIP-Logen der Stadien gemacht wird und das Sponsoring (Schalke, Champions League) dazu dient, politische und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen.

Aus Blaschkes Vortrag entstand die Frage, welche Rolle jeder einzelne Fan in diesem Konstrukt habe und warum und wie lange wir Fans dabei noch mitmachen wollen.

Dr. Susanne Franke nahm den Ball auf und verwies darauf, dass es für den einzelnen Fan schwer sei, die Entscheidungen der Verbände, die Turniere unter korrupten Bedingungen vergeben, zu kippen. Hier nahm sie Bezug auf die kommende WM in Qatar. Diese ließe sich zwar nicht mehr verhindern, aber dennoch könnten Gruppen wie #BOYCOTTQATAR2022 mit Kampagnen und Pressearbeit Öffentlichkeit und Bewusstsein für Unrecht schaffen – und vielleicht Druck ausüben, zum Beispiel bei der Kontrolle von Arbeitsrechte in Katar. Und wenn der Fan schon als Konsument gesehen wird, kann er die Macht des Konsument auch ausüben: Keiner werde gezwungen, die WM am Fernseher zu verfolgen. Hier fiel dann auch noch der Hinweis auf „Back to Bolzen“, das von allen Fans als Alternativprogramm zur WM im nächsten Jahr gemeinsam gestaltet werden soll.

Ronny Blaschke warf daraufhin ein, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass alle wir spätestens dann Teil des Zirkus sind, wenn der Ball bei den großen Turnieren rollt und Kritik sich meist nur auf die Phase vor den Turnieren beschränke, da der Fokus der Medien während einer EM/WM fast nur auf den Sport gerichtet ist. Und auch Susanne Franke bestätigte, dass Öffentlichkeit und Fans sich mit Blick auf das Geld mit Situationen und unliebigen Sponsoren arrangiere. Anfangs habe einige Aktive der Schalker Fanszene wegen Gazprom noch Magenschmerzen gehabt und geäußert, mittlerweile sei bei vielen ein Gewöhnungseffekt eingetreten (und die Vertragsverlängerung sogar von vielen begrüßt worden) – und einen Aufschrei zum Sponsoring der CL habe man nicht recht gehört.

Im Chat wurde die Frage gestellt, ob die oben geschilderte Intrumentalisierung des Sports auch im Westen vorhanden sei. Ronny Blaschke verwies darauf, dass es immer wieder Versuche gegeben habe und auch immer noch gibt, der Rahmen sei aber anders. Immer da, wo Fußball Teil der Stadtgesellschaft sei, würden sich Interessen von Fußball und Politik vermischen. Als Beispiel wurde u.a. die Sonderrolle des Fußball während der Pandemie genannt. Generell stünden im Westen aber eher wirtschaftliche Interessen (Glazer bei Manchester United) im Vordergrund, der Fußball sei mehr Spielzeug für Investoren.

Zum Abschluss wurde vom Moderator die Frage aufgeworfen, wie die Fans es zukünftig verhindern können, ein Spielball in einem System miteinander konkurrierender Interessen zu sein. Hier lautete das Fazit von Susanne, dass Fans Haltung in den Fußball tragen können, indem sie an die Vereine herantreten und ihre Macht als „Konsument“ nutzten. Als Fan könne man von den Vereinen Konsequenz, Transparenz und Nachhaltigkeit in der Lieferkette fordern z.B. beim Essen und Trinken oder Trikots aus biologischem und fairem Handel Nachhaltigkeit von den Vereinen einfordern. Gerade weil die Vereine mittlerweile Unternehmen seien, könnten sie sich professional und nachhaltig geführte Unternehmen als Vorbild nehmen. Ronny Blaschke ergänzte, dass Klubs wirtschaftlichen Erfolg in einem schwierigen Umfeld auch durch soziales Engagement erreichen könnten, indem sie so für neue Sponsoren interessant würden – dass viele soziale Projekte allerdings in finanzschwachen Zeiten gekürzt werden.

Mit einem persönlichen Ausblick auf die EM endete dieser überaus informative Abend. Während sich Ronny Blaschke auf die EM und das Grillen mit Freunden freut, kann Susanne Franke den Nationalteams nicht sehr viel abgewinnen. Sie könne die EM also nicht lieben wie die Bundesliga oder den Pokal, aber auf das Zusammensein mit Freunden während des Turniers freue sie sich schon.

Neues von der AG „Laufend erinnern“

 

Gestern traf sich die AG „Laufend erinnern“ auf dem Westfriedhof in Gelsenkirchen, um in kleiner Gruppe – unter Einhaltung der AHA-L-Regeln – die Grabstätten der NS-Opfer zu besuchen, deren Geschichten wir erzählen werden.

Osterrede

Am Ostersonntag machte der Ostermarsch Ruhr auf seinem Weg Zwischenstation in Gelsenkirchen. Vor über einhundert Teilnehmern hielt Vorstandsmitglied  Dr. Susanne Franke eine eindrückliche Rede und gleichzeitig ein flammendes Plädoyer für Frieden und gegen Ausgrenzung. Weitere Mitglieder der Fan-Ini schlossen sich der Veranstaltung an und zeigten Flagge.

Soziale Abrüstung
Es gilt das gesprochene Wort

Vielen Dank an das Friedensforum Gelsenkirchen dafür, dass ich diese Rede halten darf.
Dank noch mehr dafür, dass mich die Frage so sehr ans Nachdenken brachte.

1965 in Gelsenkirchen geboren, lief ich Anfang der 80er Jahre bei den Ostermärschen mit, mit meiner Schwester, meinem Schwager, mit Freunden. In der Zeit des „Kalten Krieges“ zwischen den zwei dominanten Blöcken Nato und Warschauer Pakt. 

Im Kalten Krieg war das Thema Rüstung omnipräsent. Auch politisch nicht interessierte Menschen kannten Waffennamen, kannten die „Pershing“ und „Cruise Missile“. 1981 kam die Platte “Red Skies over Paradise” von Fischer Z raus, mit dem Song „Cruise Missiles“ und dem Titelsong, der wirklich die Sorge vieler junger Leute beschrieb: „Unten in ihren Bunkern unter dem Meer drücken die Männer die Knöpfe, denen ich völlig egal bin.“ 

Die große Bewegung, Bewegung auch im wörtlichen Sinn, die die internationale Rüstungspolitik in Deutschland auslöste, gibt es jetzt nicht mehr. Und das nicht, weil das Thema keine Relevanz mehr hätte. Der Aufruf zum Ostermarsch benennt ja die Problemfelder klar, zum Beispiel, 

in welchem Verhältnis der Militäretat zum Gesundsheitsetat steht, dass der UN-Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterzeichnet ist, oder dass natürlich Rüstung und Klimawandel etwas miteinander zu tun haben.

Wie sich die „Eindeutigkeit“ der gemeinsamen Ziele (wenn auch nicht der gemeinsamen Mittel) in den 80er aufgefächert hat, zeigt der Aufruf auch: Er reicht vom Widerstand gegen die Hochrüstung bis zu dem gegen rechte Ideologien und Organisationen. Die sind die auch in Gelsenkirchen immer wieder sichtbar und aktiv, wenn  auch nicht dominant.  

All dies bringt jetzt keine Zehntausende (oder gar Hunderttausende) in die Diskussion – und auch nicht auf die Straßen. Die gesellschaftspolitische Entwicklung und Dynamik hinter dieser Veränderung kann ich nicht angemessen analysieren, nur den Faden der persönlichen Reflexion wieder aufnehmen. Während ich also zum ersten Mal seit langem wieder für eine Veranstaltung der Friedensbewegung in Gelsenkirchen bin, bin ich regelmäßig als Aktive der Schalker Fan-Initiative hier. 

Die wurde 1992 als „Schalker gegen Rassismus“ gegründet, um das Parkstadion zur „nazifreien Zone“ zu machen, und um die rassistischen Gesänge gegen Spieler zu verbannen. Das Zeitgefühl der frühen 90er spiegelt sich in den Unwörtern des Jahres:
1991 ausländerfrei
1992 ethnische Säuberung
1993 Überfremdung

Und das waren nicht nur Worte, das waren auch Taten – die rechtsextremen Angriffe gegen eingewanderte Menschen und Asylbewerber nahmen zu. Wir alle erinnern uns Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen. 

Der meist verbalen aggressiven Ausgrenzung in den Stadien wollten die Aktiven der Fan-Initiative ein Wir entgegenstellen. Ein Wir, dass Fans jeder Herkunft einschliesst. Zumindest mal in der Schalker Fanszene. Und, so die weiteren Ziele: 

Mit möglichst viel kommunikativer Ausstrahlung in die Medien, Wirkung in die Stadt, und in andere Fanszenen.

Der Start war fast einfach: Eine Entscheidung, ein Name, ein Logo, ein Banner – die öffentlichen Auftritte der Schalker gegen Rassismus, ihre Aussagen und Flugblätter brachten viel mediale Aufmerksamkeit und nach und nach auch die Unterstützung von Spielern, und Bürgern der Stadt Gelsenkirchen. Es wurde klar, wie viel mehr Themen dazu gehörten. Und natürlich, wie sehr der respektvolle Umgang untereinander eine klare Haltung gegen Sexismus beinhalten muss, auch beim Bier im Stadion. Wie viel dafür selbst heute noch zu tun ist, hat das Programm hier in Gelsenkirchen um die Wanderausstellung „fan.tastic females“ gezeigt: Alle Frauen im Austausch kannten dumme und dennoch schmerzhafte (mindestens) verbale Übergriffe. Also arbeitet auch in diesen Wochen eine Gruppe von Frauen aus der Fanszene und der Geschäftsstelle des Vereins miteinander an Ideen und Maßnahmen für Gleichstellung.

Nur mit Partnern konnte die Fan-Initiative dann wirklich nachhaltig und vielfältig werden. Viele davon kennen wir aus dem Fußballumfeld, wie das Fanprojekt oder andere Fanorganisationen.

Andere, nicht so „typische“, fanden wir in der Stadt, und wir sind sehr dankbar dafür. So wie „The Point“, das schwul-lesbische Jugendzentrum in Gelsenkirchen. Vor 15 Jahren gab es wenig Problembewusstsein, wenn immer wieder Beschimpfungen wie „schwule Sau“ gerufen wurden. (Einige haben’s ja heute noch nicht verstanden…) Im Oktober 2006 begann die Zusammenarbeit mit der Posteraktion „Out auf Schalke. Schwule und Lesben gibt es in jedem Stadion“. Wieder einmal fanden wir Unterstützung, und konnten die Aktion zum Beispiel vor einem Heimspiel im Stadion präsentieren.

Wie wichtig das Thema aber war, zeigte die Tatsache, dass das Aktionsplakat geändert werden musste. Die Mutter einer Minderjährigen stimmte der Veröffentlichung nicht zu, aus Sorge um die Reaktionen ihres sozialen Umfeldes. Ihre Entscheidung brachte uns in logistische Nöte – und hatte natürlich unser volles Verständnis.

Auch die Jüdische Gemeinde ist ein wichtiger Partner für die Fan-Initiative, mit vielen guten gemeinsamen Veranstaltungen. 2011 waren viele Menschen überrascht, die Wanderausstellung „Tatort Stadion“ in der Synagoge zu besuchen. Und viele davon waren noch nie in einer Synagoge gewesen, und freuten sich – neben der Ausstellung selbst – über die Offenheit der Gemeinde, die Nähe und die Informationen.

Nicht übereinander, sondern miteinander reden galt auch für die Begegnungen mit geflüchteten Menschen in Gelsenkirchen. Mit dem Fanprojekt wurde zweimal „The world is cooking“ veranstaltet, bei dem geflüchtete Menschen für Gäste kochten, und ins Gespräch kamen. Fußball spielten wir natürlich auch miteinander.

Unsere Aktivitäten wissen um die Begrenzung ihrer Reichweite, und verstehen sich nicht als klassische Friedensarbeit. Im guten Fall bilden sie die Basis dafür, gemeinsam Kraft für die großen Themen zu entwickeln.

Und so freue ich mich, heute in meiner Heimatstadt mit dem Aufruf zum Ostermarsch sagen zu dürfen:

Den menschenfeindlichen Umtrieben von AfD, der NPD, PEGIDA und der RECHTEN, von Identitären und Reichsbürgern stellen wir uns entgegen!

Glück auf,
und friedliche Ostern.

Dr. Susanne Franke
Vorstand der Schalker Fan-Initiative e.V.

 

 

Weltfrauentag

Am internationalen Frauentag feiern wir die Errungenschaften mutiger Frauen. Gleichzeitig müssen wir in jedem Jahr feststellen, wie viele Herausforderungen es noch gibt. Frauen sind weiterhin in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt Opfer von Ungerechtigkeiten, Chancenungleichheit, Gewalt, Sexismus, Diskriminierungen …
Gleichberechtigung ist 365 Tage im Jahr unser Thema! Im Stadion. Auf den Straßen. Überall.
#gleicheBezahlung #gleicheRechte #gleicheArbeitsteilung #gleicheChancen statt Blumen! ♀️💪