„Biparcours“-Kooperationsprojekt „Schalker Stolper-Tour“ gestartet!

Junge Erwachsene folgen den Spuren von Sally Meyer und Julie Lichtmann durch Schalke und Gelsenkirchen.

Junge Erwachsene (vorwiegend mit Fluchthintergrund) haben am 17. Juli ertmals mit der App „Biparcours“ eine Tour durch Gelsenkirchen gemacht und dabei dem Schicksal der NS-Opfer Sally Meyer und Julie Lichtmann nachgespürt. Dabei kam den teilnehmenden Schüler:innen vom Berufskolleg am Goldberg die Geschichte ganz nahe, denn die Tour veranschaulicht Geschichte an ganz konkreten Orten in Schalke bzw. Gelsenkirchen: Von der Glückauf-Kampfbahn bis zum Wildenbruchplatz. Die Feedbacks der Teilnehmenden haben uns ein bisschen stolz gemacht und gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind: „Ich sehe Gelsenkirchen jetzt mit ganz anderen Augen und weiß jetzt von Orten und ihrer Geschichte“ oder „Ich kann jetzt nachfühlen, wie es den Juden hier damals ergangen ist“, waren nur einige Stimmen. Und auf einmal ist der Blick auch geschärft: So fallen Mohammad sogar überall neue Stolpersteine auf dem Weg auf.

Den historischen Rahmen bildet das grausame Schicksal von Sally Meyer und Julie Lichtmann, die einst ein Textilkaufhaus am Schalker Markt betrieben. Käufer des Geschäfts, das die beiden im Zuge der „Arisierung“ aufgeben mussten, war der damalige Schalke-Star Fritz Szepan, der damit zum Arisierungsprofiteur wurde. Sally Meyer, seine Frau Henriette und deren Schwester Julie Lichtmann sind am Ende deportiert und von den Nazis ermordet worden. Ihre „Stolpersteine“ finden sich am Schalker Markt.

Um die digitale Spurensuche „Schalker Stolper-Tour“ zu entwickeln, haben wir uns mit dem Berufskolleg am Goldberg in Buer, der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, dem Gelsenkirchener Institut für Stadtgeschichte und dem FC Schalke 04 zusammengetan: Schulische Lerngruppen erfahren, was Fritz Szepan und Schalke 04 mit dem Schicksal von Meyer und Lichtmann zu tun hatten – und welche Lehren die Menschen in Deutschland aus der Vergangenheit für unser heutiges Zusammenleben gezogen haben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 GG).

„Ziel war es, den Parcours sprachlich möglichst einfach zu gestalten, um auch Nicht-Muttersprachler:innen einen Zugang zu unserer Geschichte zu ermöglichen“, so Simone Hagenow vom Berufskolleg am Goldberg. Sven von der Ini ergänzt: „Hilfreich war zudem, dass die jungen Menschen oft einen Bezug zu Fußball oder Schalke 04 haben und die Stationen des Parcours zum Teil aus ihrem täglichen Erleben in Gelsenkirchen kennen.“

Über die kostenlose App „Biparcours“ (www.biparcours.de – u.a. gefördert vom NRW-Bildungsministerium) bekommen die jungen Leute an den jeweiligen Stationen die Geschichte authentisch von Menschen erzählt, die sich auskennen müssen: unter anderem von Judith Tasbach-Neuwald, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, oder Dirk Oberschulte-Beckmann, dem Stadionsprecher von Schalke 04. Angereichert durch Texte und Bilder von damals und heute sowie einigen Quiz-Fragen und Aufgaben wird Gelsenkirchener – und Schalker – Geschichte erlebbar. Und das nicht nur einmalig, denn der Biparcours kann jederzeit und dauerhaft über die App absolviert werden: In der App einfach nach „Schalker Stolper-Tour“ suchen – und los gehts.

Von der Glückauf-Kampfbahn geht es über Kuzorras Tabakladen, den Schalker Markt, die ehemaligen „Judenhäuser“ in der Von-der-Recke-Straße und ehemalige Ausstellungshalle an der Wildenbruchstraße, die damals auch als Sammellager für zu deportierende Jüdinnen und Juden fungierte, bis zurück zur Gelsenkirchener Synaoge. Ganz am Ende geht es noch mal zurück zum Fan-Laden der Schalker Fan-Initiative auf der Schalker Meile und zur Veltins-Arena in die Jetztzeit.